W I N P A G E -- Falschaussagen
| Einleitung |
| Fast jeden Monat tauchen sie von neuem
auf. Die dieversen "geheimen" Tuningtipps um Windows auf Formel
1 Niveau zu bringen. Fast scheint es so, als ob die Tuning Tipps einen
systematischen Weg durch die verschiedenen Zeitungsredaktionen nehmen.
Im Januar bei CHIP, im Februar bei PC-Welt, im März bei PC-Praxis
.... und auch vor den verschiedenen Websites machen die sie nicht halt.
Aber bringen die Tipps wirklich etwas? NEIN! 90% der Tipps
bringt nichts oder zumindest keinen spürbaren Nutzen. Warum halten
sich aber viele offensichtlich falsche Aussagen so hartnäckig? Nun
einige der Tipps brachten zu Windows 95 oder NT Zeiten tatsächlich
eine Verbesserung, mittlerweile sind aber viele der Einstellungen schlicht
und einfach nicht mehr vorhanden. Hinzu kommt, dass viele Zeitschriften
und Webseiten sich offensichtlich nicht die Mühe machen, die Aussagen
zu überprüfen.
Auch auf der WinPage waren in der Vergangenheit einige dieser
Tipps enthalten, nach der Lektüre eines Artikels von Michael H. Fischer
auf der Internetseite http://www.derfisch.de
wurden wir aber auf dieses Problem aufmerksam und haben uns die Mühe
gemacht, die Tuning-Tipps Punkt für Punkt zu überprüfen.
Soweit Möglich wurden die entsprechenden Quellen mit
angegeben. Ist keine Quelle angegeben, haben wir den vermeintlichen Tipp
auf einem Testsystem überprüft. Bei dem Testsystem handelt es
sich um ein Rechner mit einem AMD Athlon XP 64 3200+ Prozessor mit 1 GB
RAM und einer 400 GB S-ATA Festplatte (Systempartition 25 GB). Außerdem
ist eine Radeon X700 XT Grafikkarte verbaut. Als Betriebssystem wird Windows
XP mit SP2 verwenden (alle Patches stand 20.06.2005).
Außerdem haben wir noch ein paar andere oft zu lesende
Falschaussagen zusammengetragen, die nicht in den Bereich des System-Tunings
fallen.
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| Bootvis |
| Mit dem Tool BootVis läßt sich der Bootvorgang
analysieren und optimieren. So zumindest war die Aussage als das Tool
vor ein paar Jahren von Microsoft veröffentlicht wurde. Das ist natürlich so auch korrekt, mittlerweile
ist das Tool im freien Download bei Microsoft aber nicht mehr zu bekommen,
und dies aus gutem Grund. In der Praxis ließ sich nur wenig Performancesteigerung
erzielen, im Gegenzug gab es aber unzählige Fälle in denen das
System nach der Anwendung des Tools nicht mehr startete.
Mit RAID-Systemen (auch RAID 0 / 1) kam es ohnehin nicht klar.
Also Finger weg!
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| Bootlogo |
| Nun aber weiter mit den richtig messbaren Fakten.
Der Eintrag /noguiboot in der BOOT.INI
bewirkt das Unterdrücken des Bootlogos beim Startvorgang. So weit
so gut. Da die einzelnen Aufgaben während des Bootvorgangs aber nicht
hintereinander sondern weitestgehenst parallel ablaufen, bringt dieser
Tipp in der Praxis keine merkbare Einsparung.
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| Der Prefetcher |
| Der Prefetcher-Funktion bedieht sich MICROSOFT,
um häufig verwendete Anwendungen schneller in den Speicher zu laden.
Der Prefetcher arbeitet dabei wie eine Art Cache. Die gecachten Dateien
legt der Prefetcher im Ordner Windows/Prefetch ab.
Wer sich um seine Anonymität sorgt, kann den Inhalt dieses Ordners
gefahrlos löschen. Die Systemleistung wird dadurch allerdings nicht
gesteigert. Im Gegenteil, Windows muss den Inhalt erst wieder neu anlegen,
was frühestens nach 32 Startvorgängen erfolgt. Dazu muss die
Leerlaufzeit ca. 5-30 Minuten nach dem Booten andauern.
Das Verzeichnis des Prefetchers läuft auch nicht voll wie es immer
wieder behauptet wird, XP reorganisiert die Inhalte von sich aus und entfernt
überflüssige Einträge.
Auf unserem Testsystem, welches seit einem Jahr in Betrieb ist, umfasst
das Prefetcher-Verzeichnis ganze 51 Dateien mit insgesamt 3,62 MB.
Sehr ausführlich wird der Prefetcher auf der Webseite von Helmut
Rohrbeck beschrieben.
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| Bandbreitenbeschränkung aufheben |
Sehr hartnäckig hält sich das Gerücht, der QoS-Dienst (Quality of Service) würde 20% der Bandbreite reservieren, sodass diese dem Anwender beim Surfen fehlen würden. Dass dies völliger Unsinn ist, läßt sich in DIESEM Microsoft Artikel nachlesen.
Der wichtigste Auszug daraus:
Richtigstellung einiger falscher Behauptungen zur QoS-Unterstützung unter Windows XP
In diversen Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und Newsgroups wurde die Behauptung aufgestellt, dass Windows XP immer 20 Prozent der verfügbaren Bandbreite für QoS reserviert. Dies ist nicht der Fall. Die Angaben im Abschnitt "Erläuternde Hinweise zu QoS bei Windows XP-Computern" spiegeln das Verhalten von Windows XP-Systemen korrekt wider.
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| Aktivierungsschlüssel von XP sichern |
Ein weiteres Gerücht ist der Tipp, das zurückspielen eines Backups der Datei WPA.DBL nach der Neuinstallation von Windows XP würde die erneute Aktivierung des Betriebssystems überflüssig machen.
Wer dies selbst schon einmal versucht hat, wird festgestellt haben, dass in diesem Tipp wenig Wahrheit steckt ...
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| Boot Time Defragmentierung |
| Das aktivieren der Boot Time Defragmentierung
bringt zur Abwechslung wirklich etwas. Dabei werden die Startdateien optimal
auf dem Datenträger angeordnet und defragmentiert. Grob gesagt werden
dabei also alle Bootdateien nebeneinander auf der Festplatte angeordnet,
um so schneller im Zugriff zu sein.
Allerdings ist dieser vermeintliche Tipp bei Windows XP SP2 per Default
schon aktiviert.
Wer es trotzdem nochmals kontrollieren möchte kann unter HKEY_LOCAL_MACHINE
\ SOFTWARE \ Microsoft \ Dfrg \ BootOptimizeFunction prüfen,
ob der Wert für "Enable" auf "Y"
steht.
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| Feste IP-Adressen |
| Eine weitere Halbwahrheit ist die pauschale Aussage,
der Netzwerkkarte eine feste IP-Adresse zuzuweisen würde den Startvorgang
beschleunigen. Auf einem nicht vernetzten standalone Rechner bringt dies
tatsächlich einen Vorteil (sofern eine Netzwerkkarte verbaut ist). Windows versucht sonst von einem DHCP-Server
eine IP-Adresse zu beziehen und wartet eben solange bis ein Timeout auftritt.
Erst dann wird per APIPA eine Adresse aus dem Bereich 169.254.x.x zugeteilt.
Bei einem Rechner im Netzwerk mit DHCP oder sobald ein DSL-Router mit
DHCP vorhanden ist, bringt dieser Tipp aber rein garnichts.
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| Kernel nicht auslagern |
| Besonders witzig ist der Tipp, man solle in der
Registry unter HKEY_LOCAL_MACHINE \ SYSTEM \ CurrentControlSet
\ Control \ Session Manager \ Memory Management über die
Einstellung "DisablePagingExecutive" das Auslagern
des Kernels verhinden.
Bereits seit Windows NT SP3 ist dieser Eintrag nur noch aus Kompatibilitätsgründen
vorhanden und wird von Windows daher nicht mehr ausgewertet, also ignoriert.
Unter Windows 2000 SP4 konnte der Schlüssel sogar das Abstürzen
des Betriebssystems bewirken --> siehe
KB323608
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| SecondLevelDataCache |
| Der Eintag "SecondLevelDataCache"
unter HKEY_LOCAL_MACHINE \ SYSTEM \ CurrentControlSet \ Control
\ Session Manager \ Memory Management ist ebenfalls so ein Überbleibsel
aus alten Tagen. Damit soll man den korrekten Wert für den Second-Level-Cache
(L2-Cache) einstellen. Alle Rechner mit einem Prozessor mit CPU-ID ab
Pentium II ignorieren diesen Schlüssel jedoch komplett, da hier der
Hardware Abstraction Layer (HAL) die korrekte Größe des L2-Cache
ermittelt.
Nachzulesen in DIESEM
und DIESEM Microsoft Artikel. Der wichtigste Auszug daraus:
This is not related to the hardware; it is only useful for computers
with direct-mapped L2 caches. Pentium II and later processors do not have
direct- mapped L2 caches.
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| DLL Dateien aus Speicher entfernen |
| Ähnlich verhält es sich mit dem Tipp nicht
mehr benötigte DLL-Dateien aus dem Speicher zu entfernen. Dazu war
zu Windows NT Zeiten der Key "AlwaysUnload"
unter HKEY_LOCAL_MACHINE \ SOFTWARE \ Microsoft \ Windows \ CurrentVersion
\ Explorer zuständig. Seit Windows 2000 wird dieser Key
jedoch nicht mehr ausgewertet, da diese Funktion ebenfalls per Default
so vorhanden ist.
Nachzulesen in DIESEM
Technet Artikel. Der wichtigste Auszug daraus:
Unloading the DLL
The Shell automatically unloads a DLL when its usage count is zero, but
only after the DLL has not been used for a period of time. This inactive
period might be unacceptably long at times, especially when a Shell extension
DLL is being debugged. For operating systems prior to Windows 2000, you
can shorten the inactive period by adding the following information to
the registry.
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| System Cache |
| Ebenfalls unsinnig sind Änderungen an den beiden
Einträgen "LargeSystemCache" und "IOPageLockLimit"
unter HKEY_LOCAL_MACHINE \ SYSTEM \ CurrentControlSet \ Control
\ Session Manager \ Memory Management. Auf einem reinen Fileserver
bingen die Einstellungen einen Leistungszuwachs, da dadurch mehr Speicher
für Dateisystemoperationen reserviert wird. Allerdings geht dies
zu Lasten von Anwendungen. Eine normale Workstation wird also eher langsamer.
Nachzulesen in DIESEM
Microsoft Artikel. Der wichtigste Auszug daraus:
Description
Determines whether the system maintains a standard size or a large size
file system cache, and influences how often the system writes changed
pages to disk.
Increasing the size of the file system cache generally improves server
performance, but it reduces the physical memory space available to applications
and services. Similarly, writing system data less frequently minimizes
use of the disk subsystem, but the changed pages occupy memory that might
otherwise be used by applications.
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